Der Kunstverein 1833 - 2012

Die ersten 100 Jahre (1833 - 1933)

Auf Grund veränderter Kunstrezeption im bürgerlichen Biedermeier entstanden die Kunstvereine: Vermittlungsstellen zwischen Künstlern und Bürgern. 1833 wurde der Augsburger Kunstverein als vierter bayerischer Kunstverein gegründet, nach Nürnberg, Bamberg und München. Der erste Vorsitzende, Anton Amseln Fürst Fugger-Babenhausen, stellte Räumlichkeiten in der Fugger-Residenz zur Verfügung. Bereits am Ende des Gründungsjahres hatte der Verein 270 Mitglieder, denen es leicht gemacht wurde, über die seinerzeit allgemein üblichen Verlosungen einen Grundstock für ihre Sammlungen zu erwerben.

Seit 1837 gab es regen Austausch mit dem Hamburger, seit 1838 mit dem Nürnberger Kunstverein. Mit dem "Süddeutschen Kunstverein" (Bamberg, Fürth, Regensburg, Wiesbaden und Würzburg), dem "Rheinischen Verein" (Mannheim, Karlsruhe, Straßburg, Mainz und Darmstadt), den Kunstvereinen Leipzig und Triest wurde der Kontakt so intensiv, dass z.B. 1890 nur noch einige ausgewählte Werke aus einer Vielzahl zur Verfügung gestellter gezeigt werden konnten. Mit dem Münchener Kunstverein, der dank Hauptstadtlage nicht nur künstlerische, sondern auch politische und königliche Prominenz zu den Mitgliedern zählte, gab es eine nicht ungetrübte Zusammenarbeit: Die beiden Vereine schlossen sich zusammen, trennten sich wieder, nur um sich wieder zusammen zu finden.

1904/05 konnte der Kunstverein dank Spenden und Darlehen ein eigenes Gelände in der Hallstraße erwerben (370 m² mit dem Gartenpavillon des Arztes Dr. Euringer). 1907 wurde das neue Haus feierlich eröffnet, zwei der Auflagen waren Eintritt nicht unter 25 und nicht über 50 Pfennigen, 4 Tage Öffnung in der Woche. 1914/15 wurde das Haus kriegsbedingt zu einer Nähstube umfunktioniert, erst 1922 konnte der Kunstverein erneut eine Ausstellung durchführen. 1929 hatte der Kunstverein 579 Mitglieder, finanzielle Probleme dieser Zeit verhinderten jedoch ein erneutes Aufblühen des Kunstvereins.

Höhepunkte der trotzdem recht erfolgreichen Ausstellungsreihe dieser Zeit waren die 100-Jahr-Feier des Kunstvereins im Goldenen Saal und die Ausstellung "Deutsche Malerei um 1800".

Die Zwischenzeit (1933 - 1963)

Während in München bereits die Vorbereitungen für die große Schau "Entarteter Kunst" (1936/37) getroffen wurden, gab es in Augsburg noch Ausstellungen der Arbeiten von Dix, Beckmann, Klee oder Kokoschka. Dem Kunstverein gelang es auch, sich dem Druck der Partei zu widersetzen, auch eine Ausstellung wie die in München durchzuführen. Eine der letzten Ausstellungen 1939 hieß "Deutsche Bildniskunst der Gegenwart", dem Augsburger Bildhauer Fritz Kölle gewidmet.

Während des 2. Weltkriegs wurde im Kunstvereinshaus eine Lebensmittelkartenstelle eingerichtet, wieder aus seinem Heim vertrieben, musste der Kunstverein in ein Ausweichquartier umziehen. 1944 wurde das Haus zerbombt, der Kunstverein stellte alle Aktivitäten ein.

Die Neuzeit (1963 - heute)

1963 wurde der Kunstverein Augsburg auf Betreiben des Bildhauers Theo Bechteler und einiger Kunstfreunde, u.a. Dr. Stefan Vogel, der von 1979 bis 2003 1. Vorsitzender des Kunstvereins war, neu gegründet. Die erste große Ausstellung war 1964 "Deutsche Bildhauer der Gegenwart", eine Ausstellungsreihe, die in ungefähr 10jährigem Rhythmus - zuletzt 1995  "Bildhauer in Deutschland" - in der Toskanischen Säulenhalle gezeigt wird. Zu seinem 70. Geburtstag - 1992 - wurde Dr. Vogel mit der Einrichtung einer Sammlung, die seinen Namen trägt, überrascht. Inzwischen umfasst die Sammlung mehr als 200 Exponate. Das wichtigste Anliegen des Kunstvereins, wieder ein eigenes Haus zu haben, ging mit der Übertragung des Holbeinhauses in Erfüllung. Anzahl und Bilanz der hier und an anderen Ausstellungsorten gezeigten Arbeiten in den letzten 50 Jahren sind beachtlich; ausgestellt wurden u.a. Arbeiten von Dieter Krieg, Uwe Lausen, Ford Beckman, Lucebert, Heimrad Prem, Herbert Dlouhy, Hans Sieverding, Matthias Köster, Alfonso Hüppi, Hansjörg Dobliar, der Amber Room Society, Thomas Feuerstein, Thorsten Brinkmann, Tal R und - nicht zu vergessen - die 1992 gestiftete und vor dem Augsburger Stadttheater aufgestellte Plastik "Ostern" von Matschinsky-Denninghoff.

Katalog zur ersten Bildhauerausstellung 1964