Andreas Mühe

»Vater Körper Kind – Mensch Macht Mneme«

1. Dezember 2019 bis 23. Februar 2020
Dienstag bis Sonntag, 11–17 Uhr
Kunstverein Augsburg im Holbeinhaus, Vorderer Lech 20

Eröffnung: Samstag, 30. November 2019, um 18.00 Uhr

Zur Einführung spricht Christian Thöner, Kunstverein Augsburg, mit Andras Mühe.

Führungen:Samstag, 14. Dezember 2019, 14 Uhr
Donnerstag, 16. Januar 2020, 19 Uhr

Der Kunstverein Augsburg widmet vom 1. Dezember 2019 bis zum 23. Februar 2020 dem Fotografen Andreas Mühe eine Einzelausstellung in seinem Räumen im Augsburger Holbeinhaus.

Andreas Mühes ästhetische Wahrnehmung ist von der Welt des Theaters, der Inszenierung und der Verwandlung geprägt. Die Werke des 1979 in Karl-Marx-Stadt geborenen und heute in Berlin lebenden Künstlers beschäftigen sich mit Stimmungsklischees der Deutschen, Überhöhungen, Inszenierungen und Brechungen des Machtvollen. Er unterwandert seine Bilder, stürzt Bedeutungen und zerstört Erwartungen. Bestehende soziale Ordnungen werden von ihm neu arrangiert, Hierarchien bagatellisiert und Autoritäten um- bzw. weggedreht. Seine Tätigkeit findet im Verborgenen statt, denn er untergräbt Bedeutungen, verändert ihren Sinn und wechselt in den Perspek­tiven. Offene und versteckte Propaganda münzt er um, ordnet Gruppen in ungewohnten Formationen. Diversion ist sein Geschäft und in Subordination ist er geübt. Er beherrscht die Sprache der Macht und der Mächtigen und führt sie in seinen Bilderwelten vor, indem er sich ihrer perfektionierten Ideologie bedient. Zwischen der Mauerschau, einem Begriff aus dem Theater, bei der Schauspieler Dinge beschreiben, die sie angeblich sehen und die sie in die Lage versetzen, gleichzeitig ablaufende Ereignisse auch zugleich zu behandeln, und dem sogenannten Botenbericht, der vergangene Vorgänge in die Gegenwart holt, wechselt er mühelos. Sein Ziel ist, die Macht der Bilder im Auge des Betrachters zu zerstören.

Die Ausstellung im Kunstverein Augsburg vereint Fotografien aus Werkzyklen der vergangenen Jahre mit ganz aktuellen: Die Protagonisten des Zyklus’ »Obersalzberg« (2012), einer Auseinandersetzung mit propagandistischer Ikonografie und faschistischer Selbstinszenierung, posieren in derselben Haltung einmal in NS-Uniform, einmal nackt. Als Zeichen einer verrinnenden Zeit bildet Mühe für seine Lebensjahre bis 2016 akribisch die Weihnachtsbäume der Familie nach. Die sukzessive Dekonstruktion des Abbilds seines eigenen Kopfes steht in der Schau der aufwändigen Rekonstruktion des Kopfs und des Körpers seines Vaters, des verstorbenen Schauspielers Ulrich Mühe, aus der jüngsten Serie »Mischpoche« (2019) gegenüber.

Andreas Mühe
wurde 1979 in Karl-Marx-Stadt geboren. Seit 2001 lebt und arbeitet der Künstler als freischaffender Fotograf in Berlin. Er hat in den unterschiedlichsten Magazinen und Zeitungen seine Porträts von Darstellern, Musikern, Schauspielern und Künstlern veröffentlicht. Seine Arbeiten werden in zahlreichen Galerien sowie musealen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt u.a. in der Kunsthalle Rostock, im Düssel­dorfer NRW Forum, im Martin-Gropius-Bau Berlin, im Benaki Museum Athen, in den Deichtorhallen Hamburg, in der König Galerie Berlin, im Red Brick Art Museum Beijing und in der Nationalgalerie Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin.

 

 

Vater XIX, 2016 – 2019 aus der Serie »Mischpoche« © VG Bildkunst Bonn 2019